| Cortison

Es gibt wohl keine pharmakologisch
aktive Substanz, die in der Bevölkerung so viele negative Emotionen weckt
wie das Cortison. Viele Patienten konfrontieren Ärzte und Apotheker mit zum
Teil abstrusen Nebenwirkungen, die sie oft nur aus dritter oder vierter
Quelle kennen.
Was
ist Cortison?
Cortison hat eine ähnliche chemische
Struktur und Wirkung wie das körpereigene Hormon Cortisol. Dieses stammt
aus der Gruppe der Glucocorticoide und wird in der Nebennierenrinde
gebildet. Glucocorticoide regulieren den Kohlehydrat- Fett- und
Eiweissstoffwechsel, Funktionen wichtiger Organsysteme wie die Lunge, die
Niere, das Herz-Kreislauf- und Nervensystem. Sie sind ferner
mitverantwortlich für den Wasser- und Elektrolythaushalt. Ohne Cortisol wären
wir nicht lebensfähig.
Die Entwicklung von cortisonhaltigen Medikamenten revolutionierte die
Medizin (ähnlich wie die Einführung der Antibiotika). Cortison hat nebst
vielen anderen Wirkungen eine stark entzündungshemmende Potenz.
Welche
Nebenwirkungen hat Cortison?
Cortison
systemisch angewendet (als Tablette oder Spritze)
Bei chronischer Anwendung von Steroiden kann es zu einer Reihe von Problemen
kommen. Nebst der Unterdrückung der körper-eigenen Cortisonproduktion kann
Fettgewebe im Gesicht und Körper abgelagert werden. Einige weitere mögliche
Nebenwirkungen sind Verdünnung der Haut, Osteoporose, Muskelschwäche,
tiefer Blutdruck, erhöhter Blutzucker. Diese Effekte entstehen aber nur bei
hohen Dosen und bei langer Anwendung.
Cortison
lokal angewendet (Salben, Lotionen, Sprays, etc.)
Lokale Corticoide können durch
die Haut resorbiert werden und somit zu systemischen Wirkungen und
Nebenwirkungen führen. Diese sind abhängig von der Stärke des Produktes,
der Grösse der Hautoberfläche auf das es appliziert wird, der
Beschaffenheit der Haut und der Körperstelle. Die aufgenommen Mengen sind
aber bedeutend geringer als bei systemischer Gabe. Bei den lokalen
Nebenwirkungen ist die Verdünnung der Haut zu beachten. Sie ist aber auch
wiederum von der Stärke der Präparates abhängig. Diese Gefahr ist minimal
bis vernachlässigbar, wenn die Salbe auf eine verdickte Haut aufgetragen
wird, wie dies bei Ekzemen oder der Psoriasis der Fall ist. Bei einer
Normalisierung der Haut wird das Präparat ja wieder abgesetzt. Weitere
Nebenwirkungen sind Bildung von Dehnungsstreifen, erweiterte Blutgefässchen
und akneartige Ausschläge. Dies ist vor allem der Fall, wenn Cortison längere
Zeit mit normaler Haut in Kontakt kommt.
Die Cortisonsalben der 4.
Generation haben minime
Nebenwirkungen und können auch über längere Perioden angewendet werden.
Sie werden u.a. bei Kleinkindern, Diabetikern, Sportlern (kein Doping!) etc.
mit grossem Erfolg eingesetzt.
Macht
Cortison abhängig?
Da Steroide "nur" die Symptome einer Krankheit beeinflussen, ist
die Dosis und die Dauer der Therapie von der Aktivität der Grunderkrankung
abhängig. Die Behandlung muss unter Umständen wiederholt werden, wenn die
Grundkrankheit wieder aufflackert. Dies gilt übrigens auch für die meisten
anderen Medikamente. Werden Corticoide über eine längere Zeit appliziert,
verlieren sie manchmal an Wirkung (Tachyphylaxie). Dieser Effekt ist aber
nach Absetzen wieder reversibel.
Wie
werden Cortisonpräparate angewendet?
Tandemtherapie
Das Cortisonpräparat ist abends aufzutragen, morgens und tagsüber wird
eine k ortisonfreie Pflegesalbe/-creme benutzt.
Intervalltherapie
Hier muss das Kortisonpräparat einige Tage lang einmal täglich angewendet
werden, anschliessend wird einige Tage mit kortisonfreier Basissalbe/-creme
behandelt.
Stufentherapie
Bei der Stufentherapie wird die Stärke der Kortisonpräparate dem
jeweiligen Hautzustand angepasst. Im akuten Stadium wird einige Tage mit
einem hochwirksamen Kortison behandelt, danach wird ein schwächeres Präparat
gewählt, bis man anschliessend zu einer reinen wirkstofffreien Basis- oder
Pflegesalbe übergeht.
Werden lokale Corticosteroide
"nach den Regeln der Kunst" angewendet, besteht kaum ein
Nebenwirkungsrisiko. Es gibt Alternativen, sie sind aber häufig weniger
wirkungsvoll.

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