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Laktoseintoleranz
Artikel von: PD. Dr. med. Barbara Ballmer-Weber, Allergiestation Universitätsspital Zürich
publiziert in AHA News Nr. 4, Dez. 2006
Was versteht man unter einer Laktoseintoleranz?
Bei der Laktoseintoleranz ruft der Milchzucker (= Kohlenhydratanteil der Milch) Beschwerden hervor. Laktose ist einer der wichtigsten
Energiespender im Kleinkindesalter, hat jedoch bezüglich Qualität der Ernährung im Erwachsenenalter keine Bedeutung. Laktose ist
nur etwa ein Drittel so süss wie normaler Zucker. Damit der Milchzucker vom Körper aufgenommen werden kann, muss er im Darm
aufgespalten werden. Das Enzym, das diese Aufgabe übernimmt, heisst Laktase. Dieses Enzym wird hauptsächlich im
Anfangsbereich des Dünndarms gefunden. Natürlicherweise ist die Laktaseaktivität beim Kleinkind am höchsten und nimmt in der
Folge mit dem Älterwerden ab. Die übermässige Reduktion der Laktaseaktivität oder das Fehlen des Enzyms führt zum Krankheitsbild
der Laktoseintoleranz. Laktose, die im Dünndarm nicht aufgespalten wird, gelangt in den unteren Dünndarm und zieht dort Wasser
an. Mikroorganismen im Dickdarm bauen nun die Laktose ab und bilden unter anderem Gase. Dadurch kommt es zu den typischen
Beschwerden. Die Entwicklung der Laktoseintoleranz ist genetisch mitbestimmt. Aber auch Erkrankungen des Darmtraktes können
zur Laktoseintoleranz führen.
Laktose wird vom Laktase-Enzym in Glukose in Galaktose aufgespalten
Wie zeigt sieh eine Laktoseintoleranz?
Die Einnahme von zirka 50 Gramm Laktose (was einem Liter Milch entspricht) führt bei fast allen Patienten mit einer
Laktoseintoleranz zu Beschwerden. Ein Glas Milch (200-250 ml) löst bei zirka der Hälfte aller Patienten Symptome aus. Es kommt zu
wässrigen Durchfällen, Blähungen, Schmerzen und Krämpfen im Magendarmbereich sowie Übelkeit oder selten Erbrechen.
Verbreitung
Die Laktoseintoleranz wurde 1960 entdeckt. In Südamerika, Afrika und Asien leiden heute circa 50% der Bevölkerung darunter. In
gewissen asiatischen Ländern sind es nahezu 100%. In Europa leiden ca. 2% der Skandinavier, aber bis zu 70% der Sizilianer
darunter. Bei uns geht man davon aus, dass zwischen 10 bis 20 % der Bevölkerung betroffen sind. Bei Schwarzen und bei
asiatischen Völkern zeigt sich die Laktoseintoleranz bereits schon im frühen Kindesalter, bei Weissen setzen die Beschwerden in der
Regel erst im älteren Kindesalter oder sogar erst im jungen Erwachsenenalter ein.
Welche Nahrungsmittel enthalten Laktose?
Laktose ist in der Milch von fast allen Säugetieren und entsprechend auch in Nahrungsmitteln, die aus Milch her
gestellt werden, enthalten. Gemäss Schweizerischer Lebensmittelverordnung gehört Milch zu den Nahrungsmitteln, die obligat in der
Zutatenliste deklariert werden müssen. Die Tabelle zeigt den Gehalt von Laktose in verschiedenen Milchprodukten. Im Kaffeerahm ist
der Laktosegehalt um zirka einen Viertel, in Joghurt um zirka einen Drittel reduziert. Butter stellt in der Regel kein Problem dar.
Laktosegehalt von Milchprodukten pro 100g oder 1dl
Milch
5g
Buttermilch
3-5g
Rahm
3-5g
Jogurt
4-5g
Butter
Spuren
Weichkäse
Spuren
Hartkäse
keine Laktose
Milchallergie und Laktoseintoleranz?
Die Laktoseintoleranz als Enzymmangel darf nicht mit der selteneren Milchallergie verwechselt werden, bei der es sich um eine aktive
Immunreaktion aufgrund einer echten Allergie gegen Kuhmilcheiweiss handelt. Bei einer Nahrungsmittelallergie auf Milch finden wir
spezifische Antikörper (Immunglobulin E) gegen Milcheiweisse, die mittels Haut- und Bluttests nachgewiesen werden können. Die
typischen Symptome der Allergie zeigen sich an der Haut (Rötung der Haut, Nesselfieberund Hautschwellungen), am
Magendarmtrakt (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall), am Atemtrakt (allergischer Schnupfen, allenfalls mit Augenbindehautentzündung,
Kehlkopfschwellung und Asthma) und im Extremfall mit einem allergischen Schock. Die Milchallergie finden wir vor allem im
Kleinkindesalter. Die Laktoseintoleranz ist jedoch nicht eine echte Allergie, sondern eine Unverträglichkeit von Milchzucker. Deshalb
können nicht die gleichen diagnostischen Verfahren eingesetzt werden. Zudem äussert sie sich klinisch nur mit Beschwerden des
Magendarmtraktes.
Bei der Zersetzung von Laktose durch die Darmbakterien fallen verschiedene Stoffwechelprodukte an.
Wie wird gemessen?
Bei Verdacht werden dem Patienten 50 g Laktose pro m2 Körperoberfläche verabreicht. Die Messung der Wasserstoffkonzentration in
der Ausatmungsluft gibt Auskunft über die Aktivität der Laktase (so genannter H2-Atemtest). Wie erwähnt, kommt Laktose, die im
Dünndarm nicht verdaut wurde, in den Dickdarm, wo durch die Verdauung unter anderem Wasserstoff entsteht. Über Messung der
Wasserstoffkonzentration in der Ausatmungsluft kann abgeleitet werden, ob eine Laktoseintoleranz vorliegt oder nicht. Eine
genetische Veranlagung kann zudem im Blut gemessen werden.
Therapie
Betroffene können trotzdem eine individuell unterschiedliche Menge an Laktose verzehren, allerdings sollten mittlere bis grössere
Mengen vermieden werden, um Beschwerden zu verhindern. Als Alternative können laktosefreie Milchprodukte konsumiert werden.
Diese Produkte werden von den meisten Patienten gut toleriert.
Dies gilt es unbedingt zu beachten:
• Viele Patienten mit Laktoseintoleranz können kleinere Mengen von Milch/ Milchprodukten ohne Probleme einnehmen.
• Wenn Milch/Milchprodukte innerhalb einer ganzen Mahlzeit eingenommen werden, entstehen weniger Beschwerden.
• Hartkäse, aber auch Butter, stellen in der Regel kein Problem dar.
• Wird auf Milchprodukte ganz verzichtet, ist es wichtig, genügend Calcium und Vitamin B2 einzunehmen, damit es nicht zu einer
Unterversorgung kommt.
Laktase kann inzwischen auch industriell produziert werden. Durch Einnahme dieses Enzyms (z.B. Lactigest) zusammen mit dem
laktosehaltigen Nahrungsmittel, wird die Verträglichkeit von Milchzucker erhöht. Leider hilft diese Therapie aber nicht allen Patienten
mit einer Laktoseintoleranz.