Dr. med. Martin Pletscher, Hauptstrasse 85, 4102 Binningen, Tel: 061- 426 98 26, FAX: 061- 426 98 25
Lichtschutz
Einige Prinzipien und Fakts was Sonnenexpositionen und Schäden anbelangt
aus: Sonnenvademecum (Herausgeber: Schweizerische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie, Schweizerische Krebsliga)
UV-Strahlen und Haut
Proff. Drs. med. Renato Pannizzon und Günter Burg, Dr. pharm Stefan Borer
Je nach Strahlendosis kann die Sonne auf die Haut sowohl positiv als auch negativ einwirken (Paracelsus: Die Dosis macht das Gift !).
Die nachfolgenden Abbildungen geben einen Überblick über den Aufbau der Haut und die Auswirkungen, welche die Sonne auszuüben
vermag.
Ein Organ, auf welches man schaut Anatomischer Querschnitt durch die Haut mit Epiderrnis, (Oberhaut),
Korium (Lederhaut), Subkutis (Fettgewebe) und Hautanhangsgebilde wie Haarfollikel, Talgdrüsen,
Schweissdrüsen, ferner Nervenfasern sowie Blut- und Lymphgefässe.
Wirkungen bzw. Eindringtiefen der UV-Strahlen (siehe Zeichnung unten)
Insbesondere für UVC-, UVB-, UVA-Strahlen (künstliche Quellen), sichtbares Licht bzw. Infrarot-Strahlen. Die
Eindringtiefen sind aus der Abbildung gut ersichtlich.
Positive und negative Einflüsse der Strahlen
Positive Einflüsse: Vitamin-D-Synthese, Wärme, Keimabtötung (v.a. UVC, künstliche Quellen), Psyche.
Negative Einflüsse: Sonnenbrand, phototoxische und photoallergische Reaktionen, Hautalterung (siehe auch),
verschiedene Hautkrebs-Vorstufen bzw. Hautkrebse.
Häufigkeit verschiedener Hautkrebse:
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Basaliom :
ca. 200 pro 100'000 Einwohner
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Spinaliom :
ca. 60 pro 100'000 Einwohner
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Melanom :
ca.
•
12 pro 100'000 Einwohner
Hauttypen
Nach Fitzpatrick werden 6 Hauttypen unterschieden, von denen in Europa vor allem die ersten vier vertreten
sind. Die Empfindlichkeit gegenüber der Sonne nimmt mit steigender Typ-Zahl rapide ab. Besonders die
Haut-typen I + II (rote und blonde Haare) sind sehr sonnen-lichtempfindlich. Menschen mit hellen Hauttypen
(Typ I und II) sind besonders für Sonnenschäden gefährdet.
Typ I:
rotblondes Haar
Augen :
hell
Haut/Teint:
sehr hell; Sommersprossen
Häufigkeit Europa :
5%
Sonnenbrand :
immer
Bräunung:
nie
Eigenschutzzeit*:
ca. 0 - 10 Min.
Typ II:
blondes Haar
Augen:
hell
Haut/Teint:
hell; oft Sommersprossen
Häufigkeit Europa :
33%
Sonnenbrand :
fast immer
Bräunung:
leichte Bräunung
Eigenschutzzeit*:
ca. 10 - 20 Min.E
Typ III:
braunes Haar
= häufigster Typ in der Schweiz
Augen:
Haut/Teint:
hell bis dunkel
Häufigkeit Europa:
50%
Sonnenbrand:
manchmal/selten
Bräunung :
gute Bräunung
Eigenschutzzeit*:
ca. 20 -30 Min.
Typ IV:
dunkelbraunes/schwarzes Haar
Augen:
dunkel
Haut/Teint:
matt und dunkel
Häufigkeit Europa:
12%
Sonnenbrand:
sehr selten
Bräunung:
immer braun
Eigenschutzzeit*:
ca. 30 - 45 Min.
Typ V:
schwarze Haare
nie Sonnenbrand, immer braun
Typ VI:
schwarze Haut
* Eigenschutzzeit = Zeitdauer, die verstreicht
bis die Haut eine Rötung zeigt
Lichtschutz
Quelle: Stephan Lautenschlager, Hans Christian Wulf, Mark Pittelkow in: Photoprotection: www.thelancet.com, published online May 3,2007
•
Die Hautbelastung mit UV-Strahlen ist der Hauptgrund für die Entwicklung von Hautkrebs.
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“Weisse Hautkrebse” (Plattenepithelkarzinom, Basalzellkarzinom) entstehen vorallem durch die langjährige chronische
Sonnenexposition
•
Der “schwarze Hautkrebs” (Malignes Melanom) entsteht durch wiederholte Sonnenbrände (vorallem in frühen Lebensabschnitten).
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UVB ist die wichtigste Strahlenart, welche unsere Haut schädigt, aber auch UVA-Strahlen verursachen eine Langzeitschädigung.
Wellenlänge
akute Effekte
chronische Effekte
190-280nm (UVC)
280-320nm (UVB)
Rötung (max. nach 8-24 h)
Karzinomentstehung
Schwellung
Unterdrückung der Immunabwehr
dunkle Hautbräunung
Lichtalterung
Verdickung der Epidermis
Synthese von Vit. D
320-400nm (UVA)
unmittelbare Hautbräunung
Lichtalterung
(verschwindet innerhalb 2 h
)
Unterdrückung der Immunabwehr
Karzinomentstehung (schwach)
Lichtschutz und Umwelt
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Ozon (O3) ist ein Molekül, das Licht absorbieren kann und sich in der Stratosphäre (10-15 km über Meer) befindet. O3
absorbiert vor allem die energiereichen Strahlen UVC und UVB, aber nicht das längerwellige UVA. Diese wichtige Schicht wird
durch Umweltschadstoffe (z.B. Chlorofluorocarbone) geschädigt und wird dünner (vor allem über den Polen).
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Je höher, desto dünner die Atmosphäre und desto mehr nimmt der Schutz vor schädigenden UV-Strahlen ab. Die UV-
Strahlung nimmt alle 300 Höhenmeter um 4% zu.
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Da UVB-Strahlung nimmt mit der Zunahme des Breitengrades um 3% zu.
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Um die Mittagszeit ist die Sonne im Zenith. Sie muss weniger Atmosphäre durchdringen als morgens und abends und wird
deshalb weniger abgeschwächt. Ca. 50% der Sonnenstrahlen erreichen die Erde im Sommer zwischen 12 und15 Uhr. Diese
Messungen wurden in Dänemark gemacht.
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Nebel, Wolken und Luftverschmutzungen können die Sonnenstrahlen um 10-90% reduzieren.
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Schnee, Sand und Metall können die UV-Strahlung um bis zu 90% reflektieren.
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Schwimmer sind besonders sonnenexponiert, da UV-Strahlen bis zu einer Wassertiefe von 1m penetrieren können. Meistens
wird die Sonnenexposition nicht realisiert, da die Haut durch das Wasser kühl bleibt.
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Schatten kann die Strahlung um 50-95% reduzieren. Die Reduktion hängt allerdings von der Art des Schattens ab.
Sonnenschirme bewirken in der Regel einen rel. schlechten Schutz. Dichtes Blätterwerk ist diesbezüglich viel besser.
Textilien und Lichtschutz
Faktoren, die Schutz erhöhen
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eng gewobene Textilien
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dicker Stoff
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Denim, Wolle synthetisches Material (z.B. Polyester)
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trockenes Material
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eingegangen nach dem Waschen
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Imprägnierung mit Sonnenschutzmittel
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dunkelfarbig, nicht gebleicht
Faktoren, die Schutz vermindern
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locker gewoben
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dünne Textilien
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Baumwolle, Rayon, Acetat, Leinen
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elastisches Gewebe
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nasses Gewebe
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helle Farben, gebleichte Farben
Allgemeine Sonnenschutzmassnahmen
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Raus aus der Sonnen! Unter den Sonnenschirm oder unter die Palme, nicht daneben!
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Textilien schützen gut.
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keine Sonnenexpositionen um die Mittagszeit
•
Auch künstliche Sonnenlichquellen (Solarien) sind schädlich!
Sonnenschutzmittel
Nutzen
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Es gibt Studien,die zeigen konnten, dass die Anzahl aktinischer Keratosen (Vorstufe zu “weissem” Hautkrebs) und
Plattenepithelkarzinome durch regelmässige Applikation von Sonnenschutzmittel reduziert werden können. Dieser Effekt
konnte nicht bei der Entwicklung von Basalkarzinomen (Basaliome) nachgewiesen werden. Der Nutzen von Sonnencremen bei
der Entwicklung von schwarzem Hautkrebs (Melanom) ist immer noch umstritten.
•
Die Entstehung von Muttermalen wird durch die Sonne gefördert. Ihre Entstehung kann nur durch vernünftiges Verhalten
(allgemeine Richtlinien, Tragen von Textilien) und nicht durch die alleinige Applikation von Sonnencreme verhindert werden.
2 verschiedene Sonnenschutzmittel
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Anorganische Substanzen wie Titandioxid und Zinkoxid. Sie absorbieren und reflektieren die Sonnenstrahlung je nach Grösse
der Partikel. Allergische Reaktionen sind nicht bekannt. Die kosmetische Akzeptanz ist wegen der weisslichen Farbe etwas
reduziert. Dieser Mangel konnte durch Micronisierung der Partikel aber reduziert werden. Die Schutzwirkung ist sehr gut bei
den schädlichen UVB-Strahlen. Diese Präparationen werden sehr gut toleriert und durchdringen die Hautbarriere nicht. Sie
werden deshalb für Kinder und bei Hauterkrankungen empfohlen. Sie können problemlos mit Wasser weggewaschen werden.
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Organische Substanzen werden schon seit Jahrzehnten verwendet. Eine neue Generation von Filtersubstanzen absorbieren
nicht nur UVB sondern auch UVA und haben keine hormonelle Aktivität.
Nebenwirkungen: Irritative und allergische Hautentzündungen. In einer Studie wurde in Australien bei 19% Nebenwirkungen
(meistens Reizungen) festgestellt. Photoallergische Reaktionen sind selten. Bei einer Sonnenallergie sollten aber
Sonnenschutzmittel mit anorganischen Substanzen verwendet werden.
Klinische Studien zeigten, dass der Langzeitgebrauch von Sonnenschutzmitte keinen negativen Einfluss auf die Vit. D -
Produktion hat.
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Selbstbäunende Substanzen wie Dihydroyaceton haben eine reduzierte Schutzwirkung. Experimente an Tieren lassen eine
Schutzwirkung von SPF (sun protection factor) von etwa 2-3 über 5-6 Tage vermuten.
Wie sollen Schonnenschutzmittel angewendet werden?
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Appliziere die Sonnencreme ca. 30 Min. vor der Sonnenexposition.
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Der Unterschied von SPF 20 zu SPF 50 bringt nur einen marginalen zusätzlichen Schutz. Sehr hohe SPF vermitteln nur eine
vermeindliche Sicherheit, da die Schutzkurve in den oberen Bereichen flach wird.
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Verwende reichlich Creme. Die SPF werden von der Industrie gemessen nach Applikation von 2mg pro cm2 Haut. Das würde
heissen, dass man bei einer Ganzkörperanwendung 30g benötigen würde, um den SPF zu erreichen, der auf der Packung
steht. Umgekehrt formuliert heisst das, dass bei der üblichen Applikationsmenge nur ein SPF von 2-3 erreicht wird!!
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Verwende wasserfeste Präparationen
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Appliziere die Sonnencreme mehrere Male pro Tag.
Zusammenfassung
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Am wichtigsten sind die allgemeinen Sonnenschutzmassnahmen.
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Sonnenschutzmittel sind sicher und dürfen über lange Zeit angewendet werden.
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Organische Sonnenschutzmittel können reizen und in selten Fällen Lichtallergien verursachen.
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Anorganische Mittel werden sehr gut toleriert. Sie sind indiziert bei Kindern, bei Hauterkrankungen und Lichtallergien.
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Verwende wasserfeste Präparate, reichlich und mehrere Male pro Tag.
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Wichtig: Sonnenschutzmittel sollten nicht dazu verleiten, länger an die Sonne zu gehen
Eindringtiefen der Sonnenstrahlen
in die Haut