Dr. med. Martin Pletscher, Hauptstrasse 85, 4102 Binningen, Tel: 061- 426 98 26, FAX: 061- 426 98 25
Nahrungsmittelallergie
Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen
Dieser Artikel wurde aus der Webpage der AHA kopiert: siehe hier
Was ist eine Nahrungsmittelallergie?
Eine Nahrungsmittelallergie beruht auf einer immunologisch bedingten Abwehrreaktion des Körpers gegenüber an sich harmlosen
pflanzlichen und tierischen Eiweissen. Ein allergisch veranlagter Mensch bildet nach dem Erst- oder auch nach einem späteren
Kontakt mit dem spezifischen Allergen sogenannte IgE-Antikörper. Diesen Vorgang, welcher ohne krankhafte Symptome vor sich
geht, nennt man Sensibilisierung. Die IgE-Antikörper lösen bei jedem weiteren Kontakt – oft schon bei kleinsten Mengen des
entsprechenden Nahrungsmittels – eine allergische Reaktion aus.
Welche Symptome treten bei einer Nahrungsmittelallergie auf?
Eine häufige und zugleich harmlose Reaktion ist das orale Allergiesyndrom: Der Patient verspürt Juckreiz an Lippen und im Hals oder
ein pelziges Gefühl in Mund und Gaumen unmittelbar nach Genuss eines bestimmten Nahrungsmittels. Es können jedoch auch
Schwellungen der Lippen, der Zunge, sowie der Wangen- und Rachenschleimhaut auftreten. Gewisse Menschen reagieren mit
Erbrechen, Magen- oder Bauchkrämpfen und Durchfall, andere mit einem Ekzem (Neurodermitis), einem Nesselausschlag (Urtikaria)
oder mit einem Asthmaanfall. Möglich ist aber auch eine allergische Allgemeinreaktion bis hin zum lebensbedrohlichen Schock.
Wie wird eine Nahrungsmittelallergie diagnostiziert?
Wer einen Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie hat, sollte dies bei einer Fachperson für Allergologie abklären lassen. Wie bei
anderen Allergien lässt sich eine «echte» Nahrungsmittelallergie mittels Haut- oder Bluttests diagnostizieren. Häufig sind auch
Provokationstests notwendig. Wichtig für die Diagnose sind zudem Angaben und eigene Beobachtungen des Betroffenen.
Allergietests lassen sich schon beim Säugling durchführen.
Wie entsteht eine Nahrungsmittelallergie?
Als Hauptursache gilt die individuelle, genetische Veranlagung zu allergischen Reaktionen (Atopie). Bei Säuglingen bis zum achten
Lebensmonat ist das Immun- und Verdauungssystem noch nicht voll entwickelt: Die Fremdeiweisse können nicht vollständig
abgebaut bzw. verwertet werden. Am besten wird die Muttermilch vertragen. Allergisch veranlagte Babys (2–5% der Kinder) können
sich deshalb besonders leicht auf Kuhmilch oder Hühnerei sensibilisieren. Glücklicherweise verlieren viele Kinder diese
Sensibilisierung oder Allergie innerhalb der ersten drei Lebensjahre. Andere Nahrungsmittelallergien, beispielsweise gegen Erdnüsse
und Fische, können jedoch lebenslang bestehen. Säuglinge mit einer Nahrungsmittelallergie sind wegen ihrer atopischen
Veranlagung gefährdet, später an Neurodermitis, Asthma oder Heuschnupfen zu erkranken.
Jugendliche und Erwachsene, die auf Pollen oder andere inhalative Allergene reagieren, entwickeln oft auch eine
Nahrungsmittelallergie: dies auf Grund einer sogenannten Kreuzreaktion (vergl. separates Merkblatt). Bei Erwachsenen ohne
allergische Vorgeschichte treten selten neu Nahrungsmittelallergien auf. Sie reagieren dann meist nur gegen eine
Nahrungsmittelgruppe, insbesondere gegen Schalentiere, Fisch, Fleisch oder Milch.
Wie häufig tritt eine Nahrungsmittelallergie auf?
Betroffen sind rund 2–6% aller Kleinkinder und etwa 2–4% der erwachsenen Bevölkerung.
Nahrungsmittelallergiker sind häufig zugleich Heuschnupfenpatienten.
Was ist bei einer allergischen Reaktion auf ein Nahrungsmittel zu tun?
Wer bereits starke allergische Reaktionen erlebt hat, sollte jederzeit einen Notfallausweis und ein Notfallset mit den passenden
Medikamenten auf sich tragen.
Das Notfallset enthält
* 1 EpiPen (Adrenalin-Fertigspritze): wirkt sofort; kann vom Allergiker selbst verabreicht werden
* 2 Antihistaminikatabletten: wirken erst nach 30 Minuten
* 2 Kortisontabletten: wirken erst nach 30 Minuten
Für Kinder unter 30 kg Körpergewicht: spezielle Dosierung und Verabreichung.
Bei einer akuten Allgemeinreaktion mit Nesselfieber, Asthmaanfall oder gar Kollaps müssen sofort die Medikamente des Notfallsets
eingenommen, bzw. die Adrenalin-Injektion verabreicht und ein Arzt oder Spital aufgesucht werden.
Wie wird weiteren allergischen Reaktionen vorgebeugt?
Zur Vermeidung weiterer Reaktionen hilft der konsequente Verzicht (Karenz) auf die entsprechenden Nahrungsmittel. Zu beachten
sind versteckte Nahrungsmittel in Backwaren, Gewürzen (z.B. Sellerie), und in Fertigprodukten. In der neuen Lebensmittel- und
Lebensmittelzusatzstoffverordnung des Bundesrates (in Kraft ab 1. April 2004) wurde die Deklarationspflicht von allergenen
Nahrungsmitteln (inkl. Verunreinigung/Kontamination in Endprodukten) verschärft. Für Nahrungsmittelallergiker stellt dies eine
wesentliche Erleichtung dar, vorausgesetzt, dass die Etiketten gut lesbar sind und genau beachtent werden. Eine
Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) hat bei der Nahrungs-mittelallergie leider wenig Erfolg.
Was ist eine Nahrungsmittelintoleranz?
Nicht alle krankhaften Symptome nach einer Nahrungsaufnahme sind Folge einer Nahrungsmittelallergie. Sie beruhen also nicht auf
einer immunologischen Abwehrreaktion. Im Gegensatz zur echten Allergie fehlt bei der Nahrungsmittelintoleranz die
Sensibilisierungsphase: die Reaktion kann schon beim ersten Kontakt auftreten.
Auf Grund der Entstehungsmechanismen wird zwischen enzymatischen (angeborenen oder erworbenen) und pharmakologischen
Intoleranzen unterschieden. Der genetisch bedingte Lactasemangel, der zu Durchfällen und Bauchkoliken nach Milchgenuss führt, ist
die häufigste enzymatische Intoleranz. Pharmakologische Intoleranzen treten bei besonders dazu Prädisponierten nach
übermässigem Genuss von Nahrungsmitteln, welche reich an natürlichen pharmakologisch aktiven Stoffen, sogenannten biogenen
Aminen (wie z.B. Histamin), sind. Die Betroffenen reagieren mit den gleichen Symptomen wie Allergiker nach dem Genuss
bestimmter Nahrungsmittel wie Erdbeeren, Käse, Wein, Zitrusfrüchte, Süssigkeiten, aber auch auf Lebensmittelzusätze. Eine
Nahrungsmittelintoleranz lässt sich im Allergietest nicht nachweisen. Hier werden vor allem eine genaue Erhebung der
Krankengeschichte, eine kurzfristige Eliminationsdiät und die Provokation als Diagnosemittel eingesetzt, damit Patienten
entsprechende Verhaltensmassnahmen (Verzicht aufs Nahrungsmittel oder entsprechende medikamentöse Therapie) einleiten
können. Für die Diagnose einer Lactoseintoleranz steht ein besonderer Atemtest nach Trinken einer Lactoselösung zur Verfügung.